Leonie

10 Wochen Leonie intensiv... und ein großer Plan, von dem wir erst ganz am Ende erfahren haben

 

Ich helfe seit ca. zweieinhalb Jahren zweimal wöchentlich im Tierheim hauptsächlich bei der Versorgung der Katzen. Ich habe in dieser Zeit viele kommen und gehen sehen und auch, wenn ich sie am liebsten alle mit nach Hause genommen hätte, musste ich standhaft bleiben, weil unsere beiden Hunde leider absolut keine Katzenfreunde sind.
Letztes Jahr kam eine große wohlgenährte, schwarz-weiße Katze mit wunderschönen hellgrünen Augen ins Tierheim. Sie und ein rot- getigerter Kater wurden abgegeben, weil die Besitzerin verstorben war.
Zum Glück wurden beide nach relativ kurzer Zeit vermittelt, aber leider kam die Katze schnell zurück, weil sie permanent laut schreiend hinter ihrem neuen Menschen herlief. Von da an baute sie ab und wurde von Tag zu Tag dünner. Der Zufall wollte es, dass ich für den Tierschutzverein eine Fahrt zur Tierärztin übernehmen sollte, unter anderem mit dieser Katze. Die traurige Diagnose hieß Darmtumor.
Die Tierärztin meinte noch, es wäre schön, wenn dieses Tier noch einen schönen Platz für ihre letzten Monate bekäme, aber wer nimmt schon eine ältere schwerkranke Katze... .
Sie ging mir natürlich nicht mehr aus dem Kopf und hat dann selbst das Nötige getan. Jedes Mal, wenn ich ins Tierheim kam, hat sie mich angeschrien, bis ich sie auf den Arm genommen und gestreichelt habe. Ich gehe aber nicht nur zum Streicheln in die Katzenzimmer, sondern auch zum Füttern, Katzenklos saubermachen, Staubsaugen und Putzen... das war ihr egal... dann hatte ich sie dabei eben auf dem Rücken sitzen.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich sie nicht doch nehmen kann.
Sie hätte bei uns nur in der oberen Etage leben können, wo die Hunde nicht hinkommen. Dieser Funken Hoffnung brachte mich dazu, Renate um eine Kommunikation mit dieser Katze zu bitten. Ich wollte gerne wissen, ob sie sich vorstellen könnte, bei uns oben zu wohnen, um da in Ruhe sterben zu können und welchen Namen sie hat.
Sie sagte Renate, dass sie Leonie heiße, unbedingt aus dem Tierheim raus wolle und auf jeden Fall Katzengesellschaft, ganz engen Menschenkontakt und viel Herzenswärme brauche. Außerdem wolle sie nicht zum Sterben kommen, sondern hätte noch ganz viel vor.
Nach dieser Aussage stand fest:Sie muss da raus, aber bei uns wäre es nicht optimal... Aber meine Mutter hat eine eigene Wohnung bei uns im Haus, hat drei Kater, zwei nette katzenfreundliche Hunde und ganz viel Zeit. Also zog sie ein paar Tage später ein und hat sich völlig problemlos in die vorhandene Tierfamilie eingegliedert. Eine Weile genoss sie einfach die vielen Streicheleinheiten und ein gemütliches Plätzchen auf der sonnigen Fensterbank. Ihr gesundheitlicher Zustand machte uns aber immer wieder Sorgen... Sie fraß mal besser, aber meistens eher schlecht und wurde weiter immer dünner.
Dann kam uns die Idee, mal mit ihr rauszugehen. Sie war vorher immer Wohnungskatze und sie einfach so rauszulassen, wäre zu gefährlich gewesen, zumal sie auch noch fast taub war. Also nahmen wir sie an die Leine und gingen mit ihr auf einer Wiese vor unserem Haus spazieren... es war das Größte für sie... die Erde, das Gras, die Düfte, der Wind und der weite Himmel über ihr... Von da an fraß sie eine Weile recht gut und wir hofften, doch dann kam ein leichter Schlaganfall dazu. Sie erholte sich zwar einigermaßen davon, aber sie wurde weiter immer dünner. Ich habe noch nie vorher eine so magere Katze gesehen.
Letzten Freitag, sie war jetzt fast 10 Wochen bei uns, wussten wir, dass ihr sterben begonnen hatte. Sie ließ Urin und Kot unter sich gehen und stellte das Fressen endgültig ein.
Der Samstag war dann der Tag der Abschiede. Jeder von uns hat nochmal intensiv Zeit mit ihr verbracht und als sie nachmittags unruhig wurde, weil ihr Fensterplatz um diese Zeit nicht mehr sonnig war, sind wir ein letztes mal mit ihr rausgegangen. Sie konnte so noch einmal den Wind, die Sonne und vor allem die Erde ganz nah spüren. Sie zeigte keinerlei Anzeichen von Schmerz.  
Trotzdem haben wir über Renate fragen lassen, ob sie Hilfe beim Sterben wolle, was aber nicht der Fall war.
Den ganzen Sonntag über hat sie dann geschlafen und ihr Atem wurde immer ruhiger, bis sie in der darauffolgenden Nacht einfach aufgehört hat zu atmen.

10 Wochen, in denen wir immer gehofft haben, sie würde vielleicht doch irgendwie gesund werden... denn sie hatte Renate ja gesagt, sie wolle nicht zum sterben kommen, sondern noch ganz viel erleben.
Vor allem meine Mutter hat alles getan... jedes erdenkliche Futter angeboten, viel gestreichelt und sie oft stundenlang einfach nur im Arm gehalten.
Jetzt blieb uns nur noch, Renate zu bitten, Leonies Seele zu begleiten, damit sie den Weg ins Licht findet.
Wir haben diese Art Begleitung schon dreimal miterleben dürfen und glaubten, wir wüssten schon in etwa was kommt.
Aber dieses Mal sollte es komplett anders sein. Leonie dachte nicht im Traum daran, sich einfach so auf den Weg zu machen. Sie blieb erst mal in der Wohnung meiner Mutter.
Abends kam dann die Nachricht von Renate, dass sie sich als Fuchs zeige, durch die Wohnung schleiche und versuche in den Hund meiner Mutter, er heißt übrigens Leo, einzudringen. Renate hat irgendwie dafür gesorgt, dass das nicht passiert und Leonie hat sich endlich auf den Weg gemacht.
Eine Weile hat sie auf einer schönen Blumenwiese verbracht und am Dienstag Nachmittag kam eine Botschaft von ihr. Sie bedankte sich dafür, dass wir sie für ihre letzte Zeit bei uns aufgenommen hatten und kündigte an, dass sie Fuchs zurückkommen und in unserer Nähe leben wird.
Sie hat sich jetzt für ein Leben als Wildtier entschieden... vielleicht als Ausgleich für ihr Leben als Wohnungskatze?
Meine Mutter hatte ein paar Stunden vor Leonies Tod eine Begegnung mit einem Fuchs und intensiven Augenkontakt mit ihm und letzten Winter hat sie immer mal wieder ein Ei auf ihren Spaziergängen dabeigehabt... für einen Fuchs...

Leonies Versuch, in Leo einzudringen hat uns allerdings ziemlich irritiert und besorgt, aber ein ausführliches Gespräch mit Renate hat da sehr beruhigt. Trotz Leonies Planes als Wildtier zu leben, hat sie wohl doch versuchen wollen, noch eine Weile in unserer Nähe zu bleiben, aber dann ist ja doch noch alles nach Plan gelaufen.

Jetzt, wo wir das alles verstanden haben, sind wir froh und dankbar, dieses wunderbare Geschöpf eine Weile bei uns gehabt zu haben.Es ist schön, dass wir ein kleiner Teil ihres Planes sein konnten.
Sie ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ins Licht gegangen und wird wohl ziemlich schnell ins „Wilde Leben“ starten.


Dafür wünschen wir ihr alles erdenklich Gute!!!

Danke Leonie und Danke Renate für diese Erfahrung!

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Schlenke 8

58540 Meinerzhagen

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