LUCY

Wer sie kannte, wird sie niemals vergessen.

 

Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf.

Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume.

Ich leb in euch, ich geh in eure Träume,

da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.

Ihr glaubt mich tot, doch dass die Welt ich tröste,

leb ich mit tausend Seelen dort,

an diesem wunderbaren Ort,

im Herzen der Lieben. Nein, ich ging nicht fort,

Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste.

Michelangelo Buonarroti.

 

Mit Lucy war mein Leben wie ich es mir schöner nie hätte träumen lassen können. Nur drei Tage nach dem Tod meiner ersten Hündin Jacky, überredeten meine Eltern mich am 05.10.2004 loszufahren, um einen Welpen anzuschauen. Ein Welpe von 13 Wochen sollte mir helfen, über den Verlust meiner geliebten Hündin hinwegzukommen, und das tat er auch. Der Welpe war eine kleine Jack-Russell-Dame, die wir Lucy tauften. Auf dem Arm meines Vaters schlabberte die kleine Maus ihm durch das ganze Gesicht und schon war es um uns geschehen. Dieser herzensgute, überaus freundliche kleine Hund, hatte einen festen Platz in unseren Herzen erobert. Nach ein paar Tagen Eingewöhnungszeit und unzähligen kaputten Handys, Fernbedienungen, Schuhen, Möbeleinrichtungen, Klobürsten, Unterhosen bis hin zu dem Gebiss meiner Großeltern, war klar, wir müssen eine Hundeschule aufsuchen. So ging es schon Mitte Oktober 2004 mit der Welpengruppe in der Hundeschule Bonita los. Lucy war eben Lucy. Zu Beginn unserer Hundeschulzeit machte sie sich auf die Suche nach Lücken im Hundeschultor, um uns auf der Straße zu einem Spielchen aufzufordern. Ein 16 jähriges Mädchen mit einem völlig durchgeknallten Jack-Russell-Terrier – das konnte nicht gut gehen. Renate gab uns 2 Wochen J. Doch wir wuchsen zusammen. Nach der Welpenstunde anfangs einmal die Woche, fuhren meine Eltern uns für die nächsten zwei Jahre mindestens zwei Mal die Woche zur Hundeschule. Mit dem Führerschein in der Tasche wurden wir 2006 mobil. 4x die Woche Hundeschule Bonita. Wir erlernten neben der Unterordnung das Apportieren, später auch das Treiben, probierten die Fährte und – unser Highlight - Agility. Hier machte Lucy kaum einer was vor. Ich erinnere daran, wie Papa und Lucy am 10. Geburtstag unserer Hundeschule den Agility-Parcour in einem rasanten Tempo durchliefen, Papa richtig auf Hochtouren kam und alle amüsiert waren.

Erstaunlicherweise! Denn bereits mit einem Jahr wurde bei Lucy HD festgestellt. 2006 kam nur noch eine schwere Operation in Frage. Alles war gut verlaufen. Wir hofften laut Prognose nach 3 Wochen wieder mit der Hundeschule weitermachen zu können. Weitermachen? Lucy? Ja klar - mit drei Beinchen geht’s sowieso viel schneller! Das vierte baumelte von nun an einfach so herunter und Lucy verschwendete keinen Gedanken daran, es aufzusetzen. So stieß ich auf die Hundephysiotherapeutin Susanna Vicent aus Lüdenscheid. Die Behandlung sah folgendermaßen aus: Zur Begrüßung markierte Lucy 3x die Woche das Trampolin. Auf dem Gymnastikball mussten wir sie jedes Mal vom „Selbstmord“ abhalten, weil sie sich ohne Vorwarnung kopfüber herunter stürzen wollte. Im Unterwasserlaufband setzte sie sich einfach hin, sobald das Laufband in Gang gesetzt wurde. Zu guter Letzt und vollgestopft mir kleinen Softknöchelchen - schafften wir es dann Lucy ein wenig zu behandeln. Der Quietscheball zum Schluss, der uns jedes Mal einen Tinnitus bescherte, durfte nie fehlen. Susanna verzweifelte kurzzeitig selbst an ihr. Gewichtsmanschetten und weitere Utensilien wurden angewandt, um Lucy davon zu überzeugen, dass ein Hund ganze 4 Beine hat. Wir lachten jedes Mal über ihre raffinierten Methoden, einer Behandlung zu entgehen. Doch irgendwann gab auch sie nach. Nach ca. 1 ½ Jahren, mit zu Beginn 3x die Woche Behandlung, gelang es uns eine so grandiose Muskulatur aufzubauen, dass Lucy wie ein kleines Muskelpaketchen auf allen 4 Beinen herumlief. Sie war wieder gesund. Dies bestätigten uns schon damals die Kommunikationen, die wir durch Renate machen ließen. „Keine Schmerzen“. So hatten wir viele tolle Stunden, Tage, Wochen, Jahre. Es war wunderschön.

2008 bekam ich mein Pferd- Paris- und Lucy kam neben der Hundeschule auch noch mit zum Pferd. Lucy gehorchte grundsätzlich nur dann, wenn sie es wollte. Sie war schließlich größer als das Pferd und sowieso größer als der Rest der Welt. Doch auch wenn sie selbst entschied was und wann sie es tat, konnte ich mich wenn’s hart auf hart kam, IMMER auf sie verlassen. Immer freundlich, immer gut drauf und immer für einen Spaß zu haben. Das war Lucy. Es gab keinen Tag an dem sie mir kein Lächeln ins Gesicht gezaubert hätte. Ich hätte meine Hand dafür ins Feuer legen können, dass diese starke Persönlichkeit, mein absoluter Lebenspartner, noch viele Jahre an meiner Seite leben würde.

Auch im Hinblick auf meine Zukunft machten wir alles gemeinsam. Nach dem Abitur zogen wir zusammen nach Bochum, um die Uni sowohl zu beginnen als auch zu beenden. Zudem half sie mir noch zwei Wochen bei meinem Einstieg in das Berufsleben. Sie hat für alles gesorgt.

Ganz intensiv war besonders die letzte Zeit seit August 2013. Ich begann meine Diplomarbeit und war 24 Stunden zuhause. An meinem Schreibtisch waren 2 Sessel. Einer für mich und einer für Lucy. So schrieben WIR unsere Arbeit. Trotz zunehmendem Stress versuchte ich noch so oft es ging in die Hundeschule zu gehen. Wie auch am 28.10.2013. In der Stunde apportierte sie recht eifrig und hatte Spaß. Zuhause angekommen, erbrach sie jedoch ihre Apportierbelohnung. Hier wusste ich noch nicht, dass dies unsere letzte „unbeschwerte“ Stunde in der Hundeschule Bonita gewesen sein sollte. In den nächsten Tagen ging es ihr zunehmend schlechter. So ließen wir ihr am Donnerstag, dem 31.10.2013 zur Sicherheit Blut abnehmen. Die Diagnose - akutes Leberversagen - Lucy brauchte sofort eine Infusion. Da der darauffolgende Freitag, der 01.11.2013, ein Feiertag war, und die Langzeitinfusion in der Praxis nicht möglich war, musste Lucy in die Klinik. Spätestens jetzt war ich mit den Nerven am Ende. So blieben wir bis 19.00 in der Praxis. Um 20.00 bereits waren wir auf dem Weg in die Tierklinik nach Düsseldorf - Haan. Wir fuhren als gesamte Familie dorthin. Zurück jedoch ohne Lucy. Unter Tränen musste ich meine Lucy in die Hände der Ärzte geben. Sie warf mir noch einen Blick zu und verschwand auf der Station. Dies war unheimlich schmerzhaft. Wir beschlossen einen guten Freund in Haan anzurufen, um die Nacht dort zu verbringen, um sofort bei Lucy sein zu können, falls was sein sollte. Renate und ich standen bereits seit einigen Tagen in ständigem Kontakt.

Am nächsten Tag folgten weitere Untersuchungen. Bei Lucy sah es schlimmer aus als bisher bekannt. Neben der Leber hatten die Bauchspeicheldrüse und die Gallenblase bereits erheblichen Schaden genommen. Die derzeitige Überlebenschance betrug 50%. Lucy blieb also weiter an der Infusion – Um sie zu sehen fuhren wir zweimal am Tag dorthin und konnten auch mit ihr spazieren gehen. Es tat weh den eigenen Hund so zu sehen, aber es musste sein, um ihr eine Heilung zu ermöglichen. Ich bat Renate derweil, Lucy zu unterstützen und auf mentaler Ebene zu schauen, welche Möglichkeiten an Hilfe noch bestanden. Lucy war insgesamt 7 Tage in der Klinik. Da sie trotz schlechter Blutwerte in einem recht stabilen Allgemeinzustand war, entschieden die Ärzte, uns Lucy über das Wochenende mitzugeben. Am Montag luden sie zur Neuvorstellung. Sollten die Werte sich weiterhin verschlechtert haben, gab es nur noch die Möglichkeit einer Operation, da Lucy sonst nur noch weniger als 14 Tage zu leben hatte.

Renate begleitete Lucy und erkannte, dass die Ursache in der Bauchspeicheldrüse liegen musste. Sie erkannte verdächtige Areale - wie einen Pfropfen. Während des Wochenendes zuhause, entwickelte Lucy eine Gelbsucht. Trotz der Einbildung, unserem Hund ginge es zuhause viel besser- war uns bewusst, dass wir wahrscheinlich eine OP nicht umgehen könnten. Montagmorgen, es war der 11.11.2013, dann die Wahrheit: die Werte hatten sich dramatisch verschlechtert. Lucy musste sofort operiert werden. Wir hatten nicht viel Zeit, uns für oder gegen eine Methode zu entscheiden. Ohne OP hatte sie Überlebenschancen, die gegen 0 liefen und das in weniger als einer Woche – mit OP weniger als 50% und in Folge weiterer Komplikationen 20%.

Doch ich kannte meine Lucy und ich wollte ihr eine Chance geben, da ich mir sicher war, sie würde es schaffen. Und auch Renate stand uns bei und stimmte einer OP zu - Lucy wollte es. Die OP verlief nach Plan. Mittwochmorgen dem 13.11 dann der Anruf vom Chefarzt – die Blutwerte haben sich fast vollständig regeneriert, der Hund ist stabil: „Holen Sie bitte Ihre Lucy nach Hause, sie randaliert auf der Station!“ Lucy ging es richtig gut. Dort angekommen, kam sie uns an der Leine zerrend den Flur entgegen gelaufen und wir freuten uns, sie wieder in den Armen halten zu können. Wir verließen mit unserer Lucy die Klinik. Zuhause angekommen, kannten wir sie kaum wieder. Selbstbewusst- hungrig- wie sagen wir so schön, Heike- freudig erregt J – lief sie durch die Wohnung. Die Freude wieder als Familie daheim zu sein, war uns allen anzusehen.

Die nächsten Tage verliefen gut. Am 22.11 wurden die Fäden gezogen und die Blutwerte sahen gut aus. Wir hatten das Schlimmste überstanden- Lucy hatte es überstanden. Was für ein starker Hund. Was für einen Lebenswillen. Renate hatte es uns zuvor so bestätigt. Am 13.12. waren wir das erste Mal wieder in der Hundeschule. Lucy ging es sehr gut zu der Zeit – sie hat sich wieder prächtig entwickelt. Von anfänglicher Abmagerung von 6,6 kg auf 4,8 kg waren wir wieder bei 5,7 kg angekommen. Eine kurze Zeit lang lief es bestens.

Ab Mitte Dezember allerdings machten sich langsam Bauchschmerzen breit – immer mal wieder - zunehmend schlimmer. Übelkeit kam hinzu. Koliken bahnten sich an. Renate wies uns immer wieder auf die verdächtige Stelle in der Bauchspeicheldrüse hin – Sie beschrieb es wie ein loderndes Feuer, welches mal mehr mal weniger aufflackerte und für die Probleme ursächlich sein sollte. Anhand der Blutwerte allerdings, ließ sich nichts erkennen –Mental löschte Renate das Feuer und dem Hund ging es zunehmend besser. Dies war um die Weihnachtszeit. Heiligabend war der schönste Tag seit Beginn ihrer Erkrankung. Lucy blühte nahezu auf. Wie jedes Jahr, machte sie sich mal wieder über die Geschenke her, bevor die Bescherung überhaupt angefangen hatte – Sie bekam wie immer ein Stück vom Braten und nahm wie gewohnt am Familienleben teil. Es war wunderschön. Doch bereits am 01. Weihnachtstag ging es wieder etwas schlechter. Ein Auf- und Abflackern wie Renate es beschrieb, bis zum Ende des Jahres. Es war Silvester-Renate tat alles dafür „das Feuer“ wieder in den Griff zu bekommen und - Lucy blühte wieder auf. Sie war richtig gut drauf- saß auf einem Stuhl mit am Tisch und freute sich ihres Lebens. Wir hofften 2014 auf einen Neuanfang und auf ein Sorgen-im-alten-Jahr-zu-lassen-Gefühl.

Das Jahr 2014 brach an. Doch bereits am 03. Januar erlitt Lucy schwere Koliken. Nach drei Tagen war wieder alles wie weggeblasen. Am 06.01 war die Abgabe meiner Diplomarbeit –Von nun an hatte ich wieder mehr Zeit für meine kleine Lucy. Und die brauchte ich auch, denn die Koliken wurden häufiger. „Nur noch die letzte Prüfung- dann wird alles anders“, dachte ich „der Kopf ist dann frei und ich kann mich voll und ganz auf Lucy einstellen.“ Am 03.02. stand nun meine letzte Prüfung – die mündliche Prüfung an – doch da es Lucy gerade heute sehr schlecht ging und die Prüfung erst um 14.30 war, beschloss ich noch vorher in die Klinik nach Düsseldorf zu fahren. Dies hätte ich im Nachhinein lieber verschieben sollen. Eine erneute Ultraschalluntersuchung wies indirekt auf die unbekannte Stelle in der Bauchspeicheldrüse hin, die Renate schon lange gesehen hatte. Die Diagnose – Lebermetastasen – Ursache laut Chefarzt die Bauchspeicheldrüse. Für mich brach eine Welt zusammen. Leider hätte es niemand so kommen sehen können. Jetzt war klar woher das Leberversagen kam. Die Metastasen entwickelten sich rasend schnell. Die Prognose schien vorsichtig: von einigen Tagen- bis weniger als ein Jahr im besten Fall. Jegliche Behandlungsmöglichkeiten haben wir abgelehnt. So fuhren wir nach Hause wo Papa auf sie aufpassen sollte. Und ich fuhr weiter nach Bochum um die Prüfung hinter mich zu bringen – ich weiß nicht wie ich es geschafft habe. Es war Lucy, die mir die Kraft gab, da bin ich mir ganz sicher. In der Prüfung ratterte ich alles runter- kein Blackout, voll bei der Sache, brachte ich die Uni nun endgültig hinter mich. Nach der Prüfung bereits auf dem Parkplatz allerdings brach ich unter Tränen zusammen. Dieses Gefühlschaos kann ich niemandem beschreiben. Meine Lucy verlieren? Es war sehr schwierig für mich. Zuhause angekommen wartete Lucy bereits auf mich und ging dann wieder in ihr Bettchen um zu schlafen. Lucy und ich hatten die Diplomarbeit geschafft. Sie hat sich zusammengerissen und mir beigestanden- bis zum Schluss – die Strecke, die man zurücklegen muss. Dafür werde ich ihr mein ganzes Leben dankbar sein.

Bereits den darauffolgenden Dienstag schien sie nicht mehr zu schaffen. Zum Abend hin stand sie gar nicht mehr auf – sie lag einfach da und atmete sehr flach – so musste ich schon genau hinschauen ob sie noch am Leben war. Ich beschloss, wenn es ihr letzter Wille war, so friedlich einzuschlafen, wäre ich die Letzte, die was dagegen unternehmen wollte. Ich lag nur bei ihr und streichelte sie. Trotz Tränen wäre so ein Abschied für mich in Ordnung gewesen.

Doch anscheinend für Lucy nicht. Mittwochmorgen stand sie wieder vor mir und forderte ihr Fressen. Was war es nur für ein Hund. Ich beschloss von nun an, keine Rücksicht mehr auf ihre Organe zu nehmen und setzte alle nebenwirkungsreichen Medikamente ab. Auf dem Speiseplan stand gebratenes Rinderhackfleisch, Tatar, und Hähnchenbrustfilet. Trotz der Hoffnung auf Genesung verriet eine Tierkommunikation vom 05.02.2014, dass dies bereits ein Abschiedsweg für uns war.

„ Es ist ein Weg des langen Abschieds … ein Abschiedsweg für uns… ein Weg, den ich für dich gehe… Unterbreche meinen Weg nicht… und lass uns diesen Weg gemeinsam gehen, so wie ich ihn gehen möchte…Ruhe, Frieden, Zeit. Zeit des Abschieds… Lass uns diese Zeit.“ „Du wirst durch mich einen Engel sehen, den ich dir schicken werde“.

Und Lucy blühte noch einmal zu Höchstform auf – unsere gemeinsame Zeit brach an - wir gingen wieder zweimal die Woche in die Hundeschule und gar nicht mehr zum Tierarzt. Es ging ihr die Zeit der Krankheit noch nie besser. Ich konnte es nicht verstehen. Und das sollte ein Abschied sein?

Freitag der 21.02.2014 war der schönste Tag für mich - den ich nie vergessen werde. Zunächst fuhren wir gemeinsam zur Arbeit, machten gegen Mittag Feierabend, um in die Hundeschule zu fahren. Doch hier fing es sehr stark an zu regnen und da ich wusste, dass Regen nicht Lucys Ding war, denn unter 30c° war nicht unser Wetter J, gingen wir einfach nach 3 Apportierübungen wieder – das durften wir jetzt – eben alles so, wie Lucy es wollte. Dann wurde das Wetter wieder schön. So fuhren wir zusammen zum Pferd – sie liebte es am Stall. Sie prüttelte noch den ganzen Nachmittag auf der Wiese hinterm Stall - suchte Mäuschen und buddelte Maulwurfshügel aus. Abends zuhause empfing sie meine Großeltern, die an dem Tag aus Spanien zurückgekommen waren. Sie begrüßte sie wie nie zuvor. Meine Familie fragte mich wortwörtlich was denn mit Lucy los sei, sie wäre ja so gut drauf. Es hätte so schön werden können. Mein Freund kam nach Hause. Er hatte die nächsten zwei Wochen Urlaub. Urlaub, den ich mir auch nahm, um die Zeit mit Lucy richtig auszunutzen. Es war der schönste Tag seit langem. Wir nutzen ihn richtig aus und kuschelten in meinem Bett bis in die frühen Morgenstunden.

Samstagmorgen verweigerte Lucy das Futter –da Wochenende war, beschloss ich nach langer Zeit ohne Beschwerden, zum TA zu fahren. Normalerweise dauerte es keine 15 min. da war die Wirkung der Spritze deutlich zu spüren. Doch Lucy wurde schwach. Sie war müde und wollte nur trinken. Als sie dieses Verhalten mehrfach wiederholte, wurde ich aufmerksamer. Gegen 1.00 Nachts sah ich, dass ihr Bauch ganz dick geworden war. Wieder fuhren wir zum Tierarzt. Also bekam Lucy noch eine Spritze, die helfen sollte den Magen zu entleeren. Eine Besserung sollte im Laufe der Nacht eintreten. Doch auch in frühen Morgenstunden war der Bauch immer noch ungewöhnlich aufgebläht.

Eigentlich freuten wir uns auf das heute anstehende Seminar bei Renate mit dem Titel „Ich schlüpf in deine Haut“ – doch die Gesundheit des Hundes ging jetzt vor. Um kurz vor 6 wecke ich erneut meine Eltern mit Lucy im Arm und meinte nur, dass wir los müssen. Ich schaute nur meine Mama an und sagte verabschiede dich von Lucy, ich glaube dies wird das letzte Mal sein. Dieses Gefühl wurde ich nicht los. Und mit genau denselben Worten weckte ich meinen Freund. Wir fuhren los. Lucy war ruhig. In der Klinik angekommen machten sie zugleich ein Röntgenbild. Das getrunkene Wasser war immer noch in ihrem Bauch. Uns blieb nur die Möglichkeit dies zu entfernen, um dem Hund eine Erleichterung zu verschaffen. Währenddessen, rief ich Renate an, um sie über den aktuellen Zustand zu informieren. Auf dem Weg nach draußen zum telefonieren- schaute mich eine Engelsfigur auf den Tresen der Praxis an, die mir zuvor noch nie aufgefallen war. Ich behaupte sogar sie stand noch nie da. Ich musste sofort an die Kommunikation denken. „Ich werde dir einen Engel schicken“ War es wohl soweit?

Ein paar Sekunden später stand Lucy vor mir- das Wasser war raus – der Hund erleichtert. Sie schaute mich an und wedelte freudig mit ihrem Schwänzchen. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten und hielt sie ganz fest in meinem Arm. Hat sie es mal wieder geschafft? Lucy hatte die Klinik also doch wieder geschafft und wir fuhren nach Hause. Die Ursache für das Wasser war unklar. Doch Lucy war schwach. Es war nicht mehr die Lucy, die ich kannte sie war so verändert. Der Engel hatte es mir bereits zeigen können – aber ich wollte es nicht wahrhaben. Renate schaute während ihres Seminars nach Lucy und bestätigte mir - Lucy ist ganz weit weg.

Dies spürte ich spätestens zuhause angekommen. Sie lag nur noch auf ihrem Bettchen, verweigerte sowohl Essen als auch Trinken und wollte nicht mehr aufstehen. Zu schwach mit ihrer Zunge das Wasser aufzunehmen, fiel sie bei dem Versuch zu laufen sofort hin. Keine Sekunde später war sie auf meinem Arm und mir war klar – Lucy stirbt.

So setzten wir uns auf das Sofa. Lucy lag in meinem Arm, den Kopf auf meiner linken Schulter abgelegt und ruhte. Mein Freund saß links neben mir, mein Papa rechts und meine Mama vor uns – alle waren dabei – die ganze Familie. Wir alle wollten unserer Lucy einen ehrenvollen Tod bescheren und jeder wusste, jetzt ist der Zeitpunkt – Lucy will nicht mehr. Sie hat es mal wieder geschafft selbst zu entscheiden, wann und wo sie gehen wollte. Toller Hund – einzigartiger Hund. So hätte ich es ihr gewünscht. Gewünscht von alleine gehen zu können. Für mich ging sie schon hier. Gegen 16:30 Uhr erhöhte sich ihre Atemfrequenz, sie wurde zügiger. So kontaktierte ich bereits die Tierärztin und sprach das auch mit Renate ab. Denn falls Lucy es nicht schaffen sollte, aus eigenem Willen zu gehen wollte ich sie erlösen. Denn wer Lucy kannte, weiß sie hat einen so starken Willen und ich wollte nicht, dass sie zwanghaft versucht bei uns zu bleiben. Eigentlich war Lucy nämlich strikt gegen das Einschläfern, das hat sie uns in der Kommunikation deutlich gemacht. Aber Renate bestätigte auch, dass es in dieser Situation für sie in Ordnung gewesen sei, denn, sie war schon nicht mehr bei mir. Sie war schon ganz weit weg und spürte die Schmerzen nicht mehr. Besonders schwer wurde es erst noch. Denn während wir auf den Tierarzt warteten machten sich gegen 17.00 Koliken bemerkbar. Die Entscheidung war getroffen Das wollte ich ihr nicht mehr zumuten. So haben wir unseren Engel, schweren Herzens, am 23.02.2014 um 17:31 Uhr auf ihre Reise geschickt.

Abends fand ich eine kleine Engelsfigur. Da war er wieder – der Engel – und ich war mir sicher – er kam von meiner Lucy. Lucy hatte das irdische Leben verlassen.

Doch ihre Seele war noch ganz nah bei mir- ich konnte es spüren – es war schön – aber es war nicht richtig. Denn nach ihrem Tod begleitete Renate sie ein kurzes Stück bis sie ins Licht gefunden hatte. Zunächst wurde ich am Morgen des nächsten Tages aufgefordert sie gehen zu lassen – Lucy schlief in ihrem Körbchen wie immer. Es waren meine Gedanken die sie nicht gehen gelassen haben. Bewusst verließ ich wenig später das Haus ich wollte es uns nicht schwerer machen als es ohnehin schon war. Eine Viertelstunde später bekam ich eine Nachricht von Renate das Lucy sich auf den Weg gemacht hätte. Doch sie war sehr langsam. Sie hatte nicht gezeigt, dass sie den Weg ins Licht antrat. Sie befand sich immer noch hier in meiner Nähe. Ich hielt fest. Da es so unglaublich schön ist, möchte ich mitteilen was Lucy bevor sie schneller wurde an mich gerichtet hat. So konnte ich sie ruhigen Gewissens gehen lassen.

„ Meine Aufgabe bei dir Sandra ist zu Ende… Du bist frei … frei für eine neue Seele … ich liebe euch alle… sei offen und schau was ich dir schicken werde… lass mich ziehen.“

„ Ich bin immer ein Teil von dir, so wie du immer ein Teil von mir sein wirst…Diese neue Familie wirst du in Form einer neuen Seele selbst spüren… Hab tausend Dank… wir werden immer einander spüren…“.

Und Renate schrieb mir bereits einen Tag nach Lucys Tod: „Und Lucy sendet ein Bild von einem kleinen Hund, mit dunklem Kopf- ganz markant- der Rest des Körpers ist weiß und hat schwarze Flecken zwei oder drei. Und wenn du diesen Hund findest, dann ist das der Hund, den Lucy dir geschickt hat“.

Wer Myla kennt und weiß, wie sie durch Umwege den Weg zu mir gefunden hat – dem ist klar – dies ist mein Geschenk von meiner geliebten Lucy. Myla schaffte es am 26.02.2014 zu mir – nun wurde Lucy schneller und erreichte das Licht am 28.02.2014 um 01:32 Uhr.

 

Liebe Lucy,

ich danke dir, wir danken dir, für die wundervollen 9 ½ Jahre an unserer Seite. Heute dem 23.03.2014 genau 4 Wochen nach deinem Tod, danke ich dir mit diesem Bericht. Ich danke dir für alles, für die besonderen Menschen, die ich durch dich kennenlernen durfte, für die wundervolle Zeit mit dir an meiner Seite. Für alles was du mich gelehrt hast und wir gemeinsam erleben durften. Du warst ein wundervoller Hund und jeder, der dich kannte, wird dich nie vergessen- so wie auch ich dich niemals vergessen werde. In meinem Herzen wirst du immer bei mir sein. Und ja – wir werden immer einander spüren – davon bin ich überzeugt.

Danke für alles … Danke für Myla.

Deine Sandra

 

Liebe Renate, von ganzem Herzen danke ich dir für das was du für uns getan hast. Du hast uns vom Anfang bis zum Ende begleitet und auch noch über den Tod hinaus. Was wir durch dich gelernt haben ist nicht mit Worten zu beschreiben. Du bist und bleibst ein Teil unseres Lebens. Ich danke dir für alles von ganzem Herzen und selbst das ist nicht genug.

Und auch euch möchte ich erwähnen – meine Gruppe – die ihr mir sowohl über die Jahre als auch intensiv über die Krankheitsdauer von Lucy und die Zeit nach ihrem Tod beigestanden habt. Ihr habt es mir möglich gemacht einen Weg zu finden mit meiner Trauer umgehen zu können. Großen Dank an euch und eure Hunde, die Lucy kennenlernen durfte. Danke, Gaby mit Hanka, Merle und Paulina im Herzen, Heike mit Lea und Amy im Herzen, Elke mit Eika, Nele und Michel, Silvia mit Joana, Sabine mit Luke, Sinus und Jenny im Herzen, Silke und Joline, Stephanie und die Katzenbande und noch einmal dir Renate mit Jolanda, Paule und vor allem Lilly, die uns ein ganzes Stück des Weges begleitet hat.

Danke auch an alle anderen der Hundeschule, die mir Trost und Fürsorge gespendet haben. Ohne euch wäre vieles noch schwieriger gewesen.

Wie Lucy jetzt sagen würde… habt tausend Dank dafür.

Sandra mit Myla und meiner Lucy, die immer Teil meines Herzens sein wird.

Übungsplatz

Schlenke 8

58540 Meinerzhagen

neben Holz Meeser

Kontakt

Renate Dimter

Tel. 0173 66 91 283

info@hundeschule-bonita.de

Datenschutzerklärung

unter Impressum

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Renate Dimter