Lady

 

Oft fragte ich mich - wo wirst Du nun wohl sein,                   


nachdem Du diese Welt verlassen hast.


In der Stille meiner Gedanken fand ich 
in meinem Herzen die Antwort darauf.

Ein Wunsch ging in Erfüllung, mein erstes eigenes Pferd. Vor 22 Jahren stand Lady im Tiermarkt unserer Zeitung. Ein Rentner wollte sie wegen angeblicher „Rückenprobleme“ die er hatte verkaufen. Eine Freundin und ich fuhren hin und waren begeistert. Wir kauften sie und holten sie zu uns. Schnell lernten wir die „Rückenprobleme“ kennen. Lady war etwas unerzogen und respektierte den Menschen nicht wirklich. Reiten in der Bahn war fast unmöglich, im Gelände sehr „flott“.
Eine Einstellerin aus dem Stall meinte, wir sollten sie doch mal ihrer Trainerin vorstellen. Sie nahm Westernunterricht. Gesagt, getan. Die Trainerin merkte, dass Lady schnell lernt und sagte, dass sie sie zur „Umschulung“ nehmen würde. Wir willigten ein. Zusammen mit unserem Pferd lernten wir, wie die Grundzüge des Westernreitens funktionierten. Es machte uns allen Spaß und wir erkannten Lady nicht mehr wieder. Sie war umgänglich und wesentlich zufriedener geworden.
Nach einiger Zeit ist meine Freundin aus beruflichen Gründen weggezogen und ich übernahm Lady dann alleine.
Wir erlebten viele tolle Jahre zusammen und ich konnte mich immer auf sie verlassen.
Im Juli diesen Jahres (2011) bemerkte ich dann eine extreme Veränderung. Lady fraß nicht mehr richtig, magerte ab und stand auch sehr viel dösend auf der Wiese rum. Die anderen Pferde interessierten sie nicht mehr so, was vorher undenkbar war. Sie lief immer zur Nachbarwiese und begrüßte alle. Sie atmete auch schwerer und musste öfter husten.
All dies teilte ich Renate mit und bat sie um ein Gespräch mit Lady. Sie teilte mir mit, dass Lady sagt, es sei alles in Ordnung so wie es ist. Sie wüsste, dass ihre Zeit bald gekommen sei, sie aber noch ein wenig bleiben wollte.
Ladys Atmung verschlimmerte sich und der Husten kam jetzt anfallsweise. Ich erzählte Renate davon und sie meinte, ich solle Lady mal abhorchen lassen, ob sie Wasser in der Lunge hat.
Leider bestätigte sich die Vermutung. Sie hatte Wasser im Herzbeutel und in der Lunge und bekam ein Entwässerungsmittel gespritzt und ein Pulver, welches ich ihr täglich geben sollte. Für das Herz selber gibt es leider keine Medikamente für Pferde. Die Atmung verbesserte sich ein wenig und Lady fraß jetzt auch wieder besser.
Die nächsten Wochen ging es ihr relativ gut. Sie machte zumindest keinen leidenden Eindruck und ging auch noch gerne raus und fraß sogar wieder etwas Gras.
An jenem Freitag im September brachte ich Lady und Conchita auf die Weide. Lady atmete wieder schwerer, was ich dem Wetter zuschrieb. Es war sehr warm geworden. Sie stellte sich gleich unter die Bäume und hat sich fast den ganzen Tag nicht weg bewegt. Zwischendurch brachte ich ihr Wasser. Sie hat aber kaum was getrunken.
Abends im Stall hat sie außer den Möhren nichts gefressen. Bevor ich ins Bett ging, schaute ich noch einmal nach und wollte ihr noch eine Vitaminspritze geben. Sie stand mit hängendem Kopf in der Box und wollte die Spritze nicht mehr. Als sie sich umdrehen wollte kam sie ins straucheln und fiel hin. Da wurde mir klar, dass es nun soweit ist. Sie strampelte und wieherte. Ich ging zu ihr und streichelte sie und redete mit ihr. Nach ein paar Minuten war alles vorbei. Sie war eingeschlafen.
Ich war traurig und doch erleichtert. Erleichtert, dass ich bei ihr sein konnte und sie mir die Entscheidung sie einschläfern zu lassen abgenommen hat. Ich hatte ihr immer gesagt, wenn sie gehen will, dann soll sie es tun und sich die Spritze ersparen.
Den Gefallen hat sie mir und sich getan.
Am nächsten Morgen schickte ich Renate eine SMS, dass Lady gestorben ist. Wir telefonierten dann miteinander und ich bat sie, Lady auf ihrer Reise zu begleiten. Sie berichtete mir jeden Tag, wie es Lady geht, was sie macht und wo sie ist. Die ersten Tage ging Lady langsam voran und musste sich erst zurecht finden. Renate sagte mir dann immer, dass ich sie schicken soll und sie unbedingt loslassen muss. Anfangs ist es mir schwergefallen, aber dann ging es besser und Lady lief auch schneller.
Dann führte Renate noch ein letztes, wunderschönes Gepräch mit Lady. Sie übermittelte mir viel Liebe und Dankbarkeit. Sie sagte unter Anderem, sie wird mir eine Sternschnuppe schicken, wenn sie angekommen ist.
Nach zehn Tagen war es dann soweit. Renate sagte mir, dass sie auf der anderen Seite angekommen ist, ganz in Ruhe und entspannt. Ich war froh, dass es so gut geklappt hat und doch traurig, dass sie nun „weg“ ist. Aber so lange ich an sie denke ist sie nicht weg. Sie lebt in meiner Erinnerung weiter.
Ein paar Tage später stand ich abends noch auf der Terrasse und schaute in den schönen Sternenhimmel und dachte so an Ladys Worte. Gerade als ich reingehen wollte sah ich sie: eine Sternschnuppe. Ich hatte seit Jahren keine Sternschnuppe mehr gesehen. Mir schossen die Tränen in die Augen. Es waren Tränen der Freude. Sie hatte ihr Versprechen wahr gemacht……


Wenn tausend Sterne am Himmel stehn, schau hinauf  Du kannst sie sehen, der hellste Stern, das bin ich, schau hinauf  und denk an mich.

 

 

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Schlenke 8

58540 Meinerzhagen

neben Holz Meeser

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